Känguruhn
In der ungefähr vierzig Wochen dauernden Zeit der intrauterinen Entwicklung des Menschen, wird der Bewegungsraum des wachsenden Kindes immer kleiner. Es kommt zu immer stärkeren Berührungen mit der inneren Wandung (Fruchtblase) und den sie umschließenden Muskeln (Gebärmutter). Durch die Einwirkung des Fruchtwassers und den wachsenden Druck des Körpers gegen die Gebärmutterwand, erfährt das Ungeborene eine leichte, stetige Stimulation. In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft, in der Gehirn, Muskeln, Nerven und Sinne funktionell stark ausgebildet werden und reifen, intensivieren sich die taktilen, vestibulären (das Gleichgewicht betreffenden) und thermischen Reize zwischen Mutter und Kind. Während des Geburtsvorgangs erhält das Kind eine starke, kurzzeitige Hautstimulation durch die Kontraktionen der Gebärmutter, die sich von der Haut auf die Organe überträgt, wodurch es auf die "nachgeburtliche Welt" vorbereitet wird (vgl. Montagu 1980, S. 45). Werden Kinder vor dem errechneten Termin geboren, fehlen ihnen die mütterliche Wärme, das Geschaukelt-Werden, die taktile Begrenzung und vieles mehr.
Ein frühgeborenes Baby, das kaum tausend Gramm wiegt, von der geschützten und kontrollierten Atmosphäre eines Inkubators zu trennen, erscheint widersinnig. Wird aber währenddessen sein Haut-zu-Haut-Kontakt zu den Eltern gefördert, so verbessert sich die Situation des Kindes entscheidend.
Frühgeborenen Kindern mangelt es an intensiver Hautstimulation, da sie zu klein sind, um die Gebärmutterwand zu spüren, oder da sie durch einen Kaiserschnitt zur Welt kommen. Ihnen fehlt die Zeit, Reaktionen auszubilden, die die Geburt vorbereiten. Augrund dieser mangelnden Hautstimulation und der fehlenden Reaktionen lernen Frühgeborene erst relativ spät, die Schließmuskeln des Darms und der Blase zu beherrschen (vgl. ebd.). Dem Wärmeverlust durch eine Frühgeburt kann durch den Einsatz medizintechnischer Hilfe z.B. durch Inkubatoren (Brutkästen) begegnet werden. Damit wäre zunächst der entscheidende Überlebensfaktor gesichert, nämlich die Verhinderung der Auskühlung. Dies erfolgt aber zu Lasten der anderen, ebenfalls entwicklungsbedeutsamen Stimulationen (vgl. Anders/Weddemar 2002, S. 87).